»Der moderne Fußball
ist kein Lebensraum für Gestrige
und Leute mit angestaubten
Vorurteilen.«

Aktuelles

09.01.2014

Persönliche Stellungnahme von Thomas Hitzlsperger
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09.01.2014

Videobotschaft von Thomas Hitzlsperger

 

08.01.2014

ZEIT-Interview mit Thomas Hitzlsperger
» ZEIT ONLINE

Vita

Schulabschluss: Mittlere Reife (1998)
Ausbildung: Ausbildung und Abschluss zum Bürokaufmann
(1998 bis 2000)
Beruf: Fußballprofi
(2000 bis 2013)
Nationalspieler

Vereinslaufbahn

FC Everton

(08/2012 bis 06/2013)

‚Last try‘

Nach dem Ende in Wolfsburg im April 2012 nahm ich mir eine mehrmonatige Auszeit und verbrachte einen Großteil davon in den USA. Als ich mich wieder gesund und fit fühlte, erschien ich zum Probetraining beim FC Everton. Endlich war ich wieder in der Lage, verletzungsfrei über mehrere Wochen und Monate zu trainieren und zu spielen.
Bei den Toffees machte ich dann eine paradoxe Erfahrung: Einerseits war David Moyes einer der besten Trainer meiner Karriere. Andererseits kam ich unter ihm nur neunmal zum Einsatz. Er vertraute seinem eingespielten Mittelfeld.
Für uns als Mannschaft war es eine erfolgreiche Saison mit Platz sechs in der Premier League - einen Rang vor dem Lokalrivalen Liverpool. Als die Saison zu Ende ging, wusste ich noch nicht, was ich heute weiß: Es war meine letzte. Am 2. März 2013 spielte ich beim 3:1-Sieg gegen Reading zum letzten Mal als Profi.

VfL Wolfsburg

(08/2011 bis 04/2012)

‚Vom Verletzungspech verfolgt‘

Was bei West Ham begann, fand in Wolfsburg seine Fortsetzung: Nach wenigen Wochen beim VfL zog ich mir im Training einen Riss des Außenmeniskus zu. Nach der Operation und der Reha stieg ich wieder ins Mannschaftstraining ein - und war schon bald wieder verletzt. Als mir im Februar 2012 erneut, an derselben Stelle im Knie, der Außenmeniskus riss, einigte ich mich mit dem VfL auf eine vorzeitige Vertragsauflösung, um in Ruhe wieder gesund und fit zu werden. Ich konnte nur sechs Mal für Wolfsburg in der Bundesliga spielen. Ich ging und wollte einfach nur wieder Fußball spielen. Und ich ahnte: Genau das würde bei meinem Verletzungspech nun das Schwerste werden.

West Ham United

(07/2010 bis 06/2011)

‚Hammer for The Hammers‘

Nach dem enttäuschenden Gastspiel in Rom landete ich in London bei West Ham United. Ein Gefühl trug mich: Ich kam nach Hause - nach England. Dann riss mir beim Länderspiel in Dänemark eine Sehne im Oberschenkel. Die Premier-League-Saison hatte noch gar nicht begonnen. Und ich würde für sechs Monate ausfallen. Es war die erste ernsthafte Verletzung meiner Karriere.
Mit einem halben Jahr Verspätung begann dann im Februar 2011 schließlich auch für mich die Saison - und wie. Solch ein Comeback gibt es eigentlich nur bei irgendwelchen Comic-Helden, dachte ich: In meinem ersten Spiel, einem Cup-Match gegen Burnley, hämmerte ich den Ball aus mehr als zwanzig Metern in den Torwinkel. Aber leider ging es ganz und gar nicht so traumhaft weiter: West Ham stand in der Premier League tief im Abstiegskampf und wir fanden keinen Weg mehr heraus aus der Abstiegszone.
Ich wäre trotzdem auch in der Zweiten Liga gerne bei den Hammers geblieben, denn mir gefiel es im Verein und in der Stadt. Aber ein neuer Trainer hatte andere Pläne. Ich musste den Verein verlassen.

Lazio Rom

(01/2010 bis 06/2010)

‚Kurzes Gastspiel in der Ewigen Stadt‘

Der Wechsel im Winter 2009/10 nach Rom kam für viele überraschend, aber es war für mich die beste Wahl, nachdem mir in Stuttgart deutlich gemacht wurde, dass man nicht mehr mit mir plant.
In Rom angekommen, erlebte ich die Kehrseite des Profi-Fußballs. Gleich nach einer Woche stürmten die Fans das Trainingsgelände. Sie waren wohl mit ein paar Ergebnissen nicht ganz so zufrieden gewesen. Der Trainer, der mich geholt hatte und der auf mich gesetzt hatte, wurde entlassen. Der neue Trainer schien kein gesteigertes Interesse an mir zu haben. Er setzte mich auf die Ersatzbank und dort saß ich dann bis zum Saisonende, egal wie gut oder besessen ich trainierte. Nach einem halben Jahr war ich schon wieder auf dem Weg.

VfB Stuttgart

(07/2005 bis 12/2009)

‚Das Ländle und der Titel‘

Beim VfB hatte ich meine erfolgreichste Zeit, auch wenn es anfangs nicht danach aussah.
Nach fünf Jahren Premier League dauerte es seine Zeit, bis ich mich an die Spielweise in der Bundesliga gewöhnt hatte. Aber schon im zweiten Jahr lief es. Im März 2007 gewannen wir gegen Alemannia Aachen 3:1, ein scheinbar alltägliches Ergebnis, doch wir haben dann nicht mehr aufgehört zu gewinnen: Acht Spiele in Folge, die letzten acht Spiele der Saison 2006/07. Am letzten Spieltag gegen Energie Cottbus kommt ein Eckball hereingeflogen, ich stehe an der Strafraumgrenze, der Ball flog auf mich zu, und dann … dann waren wir Deutscher Meister! Wir alle lieben den Fußball für diese Momente. Und letztendlich habe ich auch die letzten drei Jahre mit all den Verletzungen durchgehalten, weil ich mich an diese Momente aus dem Frühling 2007 erinnerte.

Auch in den Folgejahren spielten wir guten Fußball. Zweimal erreichten wir die Gruppenphase der Champions League. über das „Gebruddel“ zwischendrin kann ich mittlerweile schmunzeln, denn es gehört zum VfB wie die von mir geschätzten Spätzle zu den Schwaben.
Stuttgart und der VfB haben mir viereinhalb tolle Jahre beschert, danke VfB!

Aston Villa

(08/2000 bis 06/2005)

‚Der Anfang – The Hammer‘

Mit 18 Jahren wechselte ich aus der A-Jugend des FC Bayern München zum englischen Traditionsverein Aston Villa.
Der Anfang war schwierig - nicht nur für den englischen Stadionsprecher, der sich an meinem Nachnamen die Zunge abbrach. Alles war neu und oft auch fremd für mich, etwa, dass man als Nachwuchsspieler in England von einem Tag auf den anderen für ein paar Wochen an einen Drittligisten verliehen werden kann, um Spielpraxis zu sammeln, was dann auch geschah, als ich Ende 2001 für sechs Wochen zu den „Spireites“ nach Chesterfield wechselte.
Doch im zweiten Jahr schaffte ich bei Villa den Durchbruch. Es wurde eine große Liebe auf den zweiten Blick: Dreieinhalb Jahre lang war ich in Villas Premier-League-Team gesetzt. „Shooooot!“, schrie das ganze Stadion jedes Mal, wenn ich am Ball war – selbst, wenn ich erst in der eigenen Spielhälfte war. The Hammer riefen mich die Fans wegen meines Schusses. Aber als ich dann in Leicester mein erstes Premier-League-Tor schoss, wusste ich gar nicht: Wie jubelt man jetzt?
Ich habe in Birmingham die englische Art des Fußballspielens lieben gelernt: die Schnelligkeit, die Freude am körperlichen Einsatz, die Generosität gegenüber Verlierern. Und ich habe die englische Art zu leben genossen: Die Herzlichkeit der Leute, der positive Blick.
Bis heute kehre ich immer wieder auf die Insel zurück. Ich habe dort Freunde fürs Leben gefunden. In Birmingham, bei Villa, begann das alles. So wird Aston Villa immer ein besonderer Klub für mich bleiben. Dort schaffte ich den Durchbruch zum Profi und fand so viel Zuneigung und Anerkennung, wie ich es zu Beginn nicht für möglich gehalten hätte. Dort wurde England für mich zu einer zweiten Heimat.

FC Chesterfield

(ausgeliehen von Aston Villa 11/2001 bis 12/2001)

‚Kurzes Intermezzo bei den Spireites‘

An einem Freitagvormittag im November 2001 zitierte mich mein Trainer bei Aston Villa ins Büro und sagte Folgendes: „Thomas, Chesterfield wants you. You should go!“
Einen Tag später stand ich dann an einer Autobahntankstelle, der Mannschaftsbus des FC Chesterfields, meines Teams für sechs Wochen, las mich auf und schnurstracks ging es zum ersten Spiel. Es war eine großartige Erfahrung, endlich englischer Liga-Fußball. Obwohl es nur sechs Wochen waren, die ich bei den „Spireites“ verbrachte, erinnere ich mich noch sehr lebhaft an die Spiele, weil es zumeist hoch herging. Kampf um jeden Zentimeter und wenn es eng wurde, holte der ein oder andere Spieler weit aus und drosch den Ball lang und weit nach vorne. Ich stand mittendrin und kämpfte, grätschte, spielte mit und fühlte mich rundum wohl bei den Lads aus Derbyshire.

FC Bayern München

F- bis A-Jugend (1989 bis 2000)

‚Ein Kindheitstraum erfüllt sich‘

So viele Sechziger-Fans wie ich hat wohl noch niemand zum FC Bayern gebracht: Meine Großfamilie kam regelmäßig an die Säbener Straße, um mich in den Jugendmannschaften der Bayern zu unterstützen. Wie in Forstinning durfte ich zunächst weiter im Sturm spielen, auf Linksaußen, wie es sich damals für einen Linksfuß gehörte.
Eine Zahl ist mir im Gedächtnis geblieben: In der D-Jugend, also in meinem fünften Jahr beim FC Bayern, erzielte ich mein 1.000. Tor für den Klub. Das sind 200 Tore pro Saison. Ich erinnere mich an so manchen gegnerischen Torwart, der unter Tränen nach meinem siebten oder achten Treffer auf seiner Auswechslung bestand.
Wir waren ein guter Jahrgang, einige meiner Mitspieler aus Bayern-Jugendtagen haben es in den Profifußball geschafft. Ich selbst wurde ab dem 15. Lebensjahr in sämtliche Jugend-Nationalteams berufen. Aber es hatte - so weit ich weiß - damals noch nie ein Spieler den Weg von der F-Jugend in die Profielf des FC Bayern geschafft. So war ich am Ende meiner A-Jugend-Zeit skeptisch, ob mir das gelingen würde.
Und so ging ich mit 18, in ein anderes Land, eine neue Welt.

VfB Forstinning

F-Jugend (1988 bis 1989)

‚Der Kreis schließt sich – Start und Ende meiner Fußball-Karriere‘

Der erste VfB meines Lebens war kein Verein aus Stuttgart, sondern der Fußballklub in meinem Heimatort östlich von München. Mit sechs Jahren trat ich der F-Jugend des VfB Forstinning bei.
Die Idee, dass Fußballer auf einer bestimmten Position spielen, erschließt sich Kindern in dem Alter noch nicht so richtig, sondern meistens sind alle dort, wo der Ball ist, aber ich würde sagen: Ich war Stürmer. Ich konnte fester schießen als die anderen, das fiel schon damals auf. Als ich gerade einmal ein Jahr für den VfB gespielt hatte, bekamen meine Eltern Besuch. Eine Delegation des FC Bayern stellte sich vor.
Das war natürlich eine Riesensache im Dorf: Die Bayern wollten einen Spieler aus Forstinning! Auch wenn es nur ein F-Jugendlicher war. In meiner Erinnerung war die Stube meiner Eltern voll, als die Bayern-Delegierten um mich warben; auch ein paar Vertreter des VfB Forstinning verhandelten über den Wechsel. Für meine Familie war das natürlich eine komplizierte Angelegenheit: Bei uns zuhause sind alle Sechziger-Fans. Und nun sollte ich zu den verschmähten Bayern?
Sie haben mich trotzdem gehen lassen, mit sieben Jahren.
24 Jahre später, im Sommer 2013, habe ich wieder in Forstinning trainiert. Ich wollte mich, mit 31, in der Sommerpause fithalten für mein nächstes Engagement im Profifußball. Als ich alleine auf dem Platz trainierte, begann auch die Forstinninger Kreisligaelf das Training. Nach einer Weile kam ihr Trainer herüber. Er fragte mich, ob ich nicht einfach bei seiner Elf mittrainieren wolle. Das habe ich dann getan, es hat Spaß gemacht. Ein paar Tage später beendete ich dann nach Rücksprache mit den Ärzten meine Profikarriere aus gesundheitlicher Vorsicht. Da sagt man wohl, der Kreis schließt sich: Das letzte Training meiner Profizeit hatte ich dort absolviert, wo alles begann, in Forstinning.

FC Bayern München F- bis A-Jugend (1989 bis 2000)
VfB Forstinning F-Jugend (1988 bis 1989)

Erfolge

Nationalmannschaft

52 Länderspiele, 6 Tore

‚Schlaaaand‘

Im August 2010 durfte ich in Dänemark in meinem 52. Länderspiel die deutsche Nationalelf zum ersten Mal als Kapitän anführen. Ich bekam viel Lob für das Spiel. Dass ich mich ausgerechnet in dieser Partie am Oberschenkel verletzte, schien zunächst nur eine bittere, aber kleine Ironie. Doch mein erstes Spiel als Nationalmannschaftskapitän blieb auch mein letztes Länderspiel. Denn mit dem Sehnenabriss im Oberschenkel in Kopenhagen begann meine Leidenszeit.
Dabei habe ich stets im Blick behalten, was für ein Privileg es war, für ein Fußball-Land wie Deutschland zu spielen - und nicht nur einmal, sondern 52 mal! Ich durfte das Sommermärchen - die WM 2006 im eigenen Land - miterleben, dann die Europameisterschaft 2008, wo ich im Endspiel, von Miro Klose frei gespielt, plötzlich vor Spaniens Torwart Iker Casillas zum Schuss kam - ich weiß, ich weiß, ich hätte einfach voll drauf hauen sollen, statt mich damit zu beschäftigen, den Schuss runterzudrücken, auf keinen Fall zu hoch zu zielen … Es war eine Ehre, ein Teil dieser großen Auswahl zu sein.

international
WM-Teilnahme 2006
EM-Teilnahme 2008
Champions League 7 Spiele, 0 Tore
Europe League 15 Spiele, 1 Tor
Premier League 117 Spiele, 10 Tore
FA Cup 5 Spiele, 1 Tor
Serie A 6 Spiele, 1 Tor

Galerie

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